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Ausstellung / Kunst
Sonntag, 07.08.22, 13:30 Uhr

Phoenix Philosophy Café

Ilaria Vinci (*1991) erforscht in ihrer Praxis das, was sie als «Zone der Fantasie» bezeichnet: Der Bereich in der menschlichen Psyche, in dem sich Selbst- und Weltwahrnehmung treffen und verschwimmen. Die Künstlerin geht der Frage nach, was Realität ausmacht und wie Menschen kommunizieren und imaginieren. Dazu schafft sie Installationen, kreiert Requisiten und Schriftzüge, die sich visuellem und sprachlichem Vokabular bedient, das beim Alltäglichen ansetzt, immer aber ins Phantastische kippt. Im Cabaret Voltaire verwandelt Vinci den Eingangsbereich in eine Feuerstelle. Um Feuer versammeln sich Menschen, tauschen Geschichten aus, diskutieren, essen, trinken und spielen zusammen. Manchmal zeigen sich individuelle Gesichter und Gedanken besonders nuanciert, dann verschwinden sie in einem kollektiven Schattenspiel. Flammen wohnt eine dialektische Kraft inne: Sie wirken beruhigend und aufwühlend, fokussierend und zerstreuend. Im lodernden Feuer können sich Blicke und Ideen formen oder verlieren. Die Installation referiert aber auch auf mythologische Figuren wie Phoenix und Prometheus. Mit Phoenix ist die Geschichte eines fabelhaften Vogels verbunden, angeblich gross wie ein Adler, mit scharlachrotem und goldenem Gefieder, der sich mit wohlklingenden Schreien mitteilte. Als die Lebensdauer von Phoenix zu Ende war, baute sich der Vogel in der Sonnenstadt Heliopolis ein Nistplatz aus duftenden Zweigen und Gewürzen, zündete das Nest an und verbrannte in den Flammen. Aus dem Scheiterhaufen stieg ein junger Phoenix hervor, weshalb die Geschichte zur Metapher für Wiedergeburt und Resilienz wurde. Die Redewendung «wie Phoenix aus der Asche» steht aber auch für den Zusammenbruch eines alten Systems und das Aufkommen alter Werte im neuen Gewand. Im Dada-Haus und dem Kontext damaliger und aktueller Ereignisse ist diese Referenz nicht aus der Luft gegriffen. Auch in der Sage des Prometheus, einer der bekanntesten literarischen Figuren, kommt dem Feuer eine wichtige Rolle zu, wenn es um die Handlungsmacht der Menschen geht. Prometheus gilt als Feuerbringer und Kulturbringer, als Gründungsmythos menschlicher Zivilisation. Je nach Interpretation gilt er als mutiger Rebell gegen unterdrückende Narrative oder als fortschrittsgläubige Übersteigerung des Menschen. Die Frage bleibt, welche Tugenden als positiv bewertet werden und welche Menschen idealisiert werden. Neben der inhaltlichen Auseinandersetzung mit der Wirkung und der Geschichte des Feuers behandelt die Präsentation auch die Grenzen des Formats «Ausstellung». Die Schau ist gleichermassen eine Bar, Kunsterfahrung und Gastronomie verschwimmen. Vincis Eingriffe ziehen sich überdies in weitere Bereiche des Betriebs: Zur Ausstellung gehört ein spezieller Drink, manchmal erklingt eine Playlist und sowohl zur Eröffnung am 30. April als auch durchs Jahr wird die feste Installation von performativem Begleitprogramm flankiert.

Veranstaltungsort

Cabaret Voltaire
Spiegelgasse 1
8001 Zürich
info@cabaretvoltaire.ch