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Ausstellung / Galerie
Donnerstag, 21.10.21, 10:00 Uhr

Light Up

Ihre Teppiche sind gelocht, und versengt erscheint die Kunstfaser industriell gefertigter Bettvorleger. Wie eine Salve von Einschusslöchern metastasieren neue Muster durch Gewebe und Ornament. Doch der erste Schein trügt: Maya Bringolf (*1969 in Schaffhausen, lebt und arbeitet in Zürich) hat die Perforation nicht eingebrannt ins wohnliche Accessoire. Die runden Öffnungen schneidet sie aus und bepinselt die verletzte Textur sorgfältig mit Epoxy-Harz zur Festigung. Schwarzer Acrylspray simuliert Rauchspuren. Eine toxische Materialität dringt so ins Kunsthandwerk, frisst sich durch den Boden bürgerlicher Wohnkultur. Und während wir in der Verletzung noch ein Sakrileg erkennen, gewinnen die Objekte ihre andere, unheimliche Opulenz. Was vor Wochen noch abgeschoben im Brockenhaus lag oder gestapelt im Versandgrosshandel, ist jetzt hinterleuchtet vom Weiss der Wand. Pechschwarz oder silbern geben Lichthöfe jedem Ausbruch eine dunkle Aura mit oder einen immateriellen Schein. «Irgendwo ist der Ursprung der Teppiche da, und die Globalisierung hat sie dennoch längst mitgenommen.» So fasst die Künstlerin die Ambivalenz zusammen, die ihrem Rohstoff eingeschrieben ist. In der kritischen Auseinandersetzung mit dem Zerfall kultureller und materieller Werte gibt Maya Bringolf dem Teppich eine Spur der Vernichtung mit. Seit Jahren schon streift Maya Bringolfs künstlerisches ‹Upcycling› eine Anmutung des Dekadenten, balanciert entlang einer Ästhetik abgründiger Veredelung. Es ist, als wäre die Endzeit des Domestizierten angebrochen, als wollten unsere Komfortzonen ihr heimlich angestautes Gift entladen. Vor synthetischen Materialien schreckt die Künstlerin nicht zurück, auch wenn oder gerade weil sie im Zuge von Umweltverschmutzung und knapp gewordenen Ressourcen unter Verruf geraten sind. Das Nervenfieber, das unser Konsumgebaren erfasst hat, ist nicht darstellbar ausserhalb realer Materialkreisläufe und ihren unkontrollierten Emissionen. Dem hohen Produktivitätsdruck, dem wir als Leistungsgesellschaft ausgesetzt sind, entgegnete Maya Bringolf immer wieder eine Zirkulation von Luft. Sie isolierte Rohrsysteme aus ihrem funktionalen Zusammenhang, rückte den Luftkanal aus der Randerscheinung von Grossraum und Lagerhallen in die Mitte ihrer skulpturalen Anverwandlung. Inzwischen haben Rohre auch den Bürostuhl angegriffen. Woher kommt die Luft und wohin wird sie abgeführt? Bringen konzentrierte Winde eine überhitzte Geschäftigkeit zum Stillstand? Den Ruf nach regelmässiger Belüftung ist in einen Leerlauf umgeschlagen, der Sitz auf Rollen wird umklammert und in Beschlag genommen. Etwas unversöhnlich Kriegerisches umspielt das Standard-Accessoire moderner Büro-Einrichtungen. Abgefackelt, züngelt uns aus der Gegenständlichkeit ‹Made in China› ein Burn-Out entgegen, an dem inzwischen der ganze Globus zu erkranken scheint.

Veranstaltungsort

Galerie Bromer
Rämistrasse 3
8001 Zürich