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Ausstellung / Galerie
Freitag, 26.11.21, 12:00 Uhr

Carroll Dunham

Seit Jahrzehnten heißt es: "Carroll Dunham macht schmutzige Bilder". Doch seine Werke, auf denen Brustwarzen, Penisse, Hodensäcke, Schamhaare und Anusse abgebildet sind, sind mit einer solchen spielerischen Trägheit ausgestattet, dass sie den Sexappeal völlig umgehen. (Wie ein Kritiker schrieb, sehen Brustwarzen in einem Dunham-Gemälde wie kleine puritanische Hüte aus). Wenn Betrachter angesichts haariger Schamlippen "Pornografie" sagen, verweist dieses Wort eher auf ihre eigene Angst als auf den Vorwurf der Bilder selbst. Warum sind haarige Schamlippen in einem Gemälde schmutzig? Weil sie schwierig sind? In ihrem viralen Essay in der Sewanee Review schreibt Melissa Febos über die Regeln, die wir für schwierige Dinge aufstellen: "Wir ordnen das Problem, das wir haben, gerne der Sache zu, die uns beunruhigt. Das Problem ist nicht, dass Vagina ein unsexy Wort ist. Oder dass Brustwarzen niemals wie Bleistift-Radiergummis aussehen. Das Problem ist, dass wir Sex in unseren Köpfen verbannt haben. Wir haben ihn aus der größeren, umfassenden Erzählung isoliert und seine Definition auf das beschränkt, was der privilegiertesten Klasse von Protagonisten dient." Dunham malt seit Jahren unsexy Penisse und Schamlippen - und Brustwarzen, die wie Radiergummis aussehen -, und seine Motive sind kaum eine privilegierte Klasse von Protagonisten. Angefangen 2008 mit seiner Bathers-Serie bis hin zu seinem jüngsten Werk, Qualiascopes (2021), sind die Protagonisten seiner Bilder, wie er sagt, "prä- oder post-technologisch". Ihr Ursprung liegt außerhalb der zeitgenössischen Kultur: Sie sind entweder Tausende von Jahren alt, aus dem Weltraum gefallen oder vielleicht aus einer uralten Zukunft teleportiert worden. Nackt, menschlich, mit männlicher und weiblicher Anatomie, baden, jagen, toben und kämpfen sie in Wäldern, Teichen und verlassenen Landschaften. Doch bei aller Besessenheit seiner Kritiker von der Pornografie gibt es etwas, was seine Figuren bisher noch nie getan haben: Sex haben.

Veranstaltungsort

Galerie Eva Presenhuber
Zahnradstrasse 21
8005 Zürich
info@presenhuber.com